Objekt des Monats

November 2021

Bibel der Eva Christiana Wager
Leder, Papier
Gedruckt von Emanuel Thurneisen
Basel 1823

(Stadtarchiv Esslingen, Bibliothek 12614)

Aufgeschlagenes Buch mit kostbar verziertem Titelblatt.
Fotografie: Städtische Museen Esslingen

Nur auf den ersten Blick schlicht gestaltet ist diese in Leder gebundene Bibel mit angefügtem Gesangbuch. Auf den braunen Ledereinband sind in Gold die Initialen der Eigentümerin „E. C. W.“ sowie die Jahreszahl 1830 gedruckt. In jenem Jahr heiratete am 10. August Eva Christiana Fuchslocher aus Serach den Weingärtner Johann Georg Caspar Wager. Im Beibringensinventar - also einer Auflistung des Vermögens, welches beide Partner in die Ehe mitbrachten - wird dann auch eben diese Bibel erwähnt. Auf einen zweiten, genaueren Blick erkennt man, dass der Ledereinband an den Rändern mit weiteren geprägten Mustern, teilweise auch farbig in Gold belegt, verziert ist. Darüberhinaus wurden die Kanten der Buchseiten mit einem feinen Rankenmustern versehen, indem man mit einer Nadel oder feinem Messerchen das Papier vorsichtig entfernte.
Sorgfältig von Hand gestaltet ist die Vorsatzseite. Ein mit Tusche gezeichneter Blattkranz mit kleinen Früchten flankiert eine wappenförmige Rahmung mit einer Krone an der Spitze. Innerhalb des Rahmens sind der Name der Eigentümerin mit ihrem Mädchennamen sowie ein Datum wenige Tage vor der Hochzeit genannt.
Gedruckt wurde die Bibel 1823 in der traditionsreichen Druckerei Emanuel Thurneisen, Basel. Diese wurde zunächst gemeinsam von Emanuel (1687-1739) und seinem Bruder Johann Rudolf Thurneisen (1688-1755) bis zum Tod von Emanuel geführt. Die eine Hälfte übernahm dann seine Witwe Elisabeth zusammen mit ihrem Sohn Johann Jakob, dessen Sohn Emanuel (1749-1806) wiederum die Druckerei führte. Wer der Leiter der Druckerei zur Entstehungszeit der vorliegenden Bibel war, ist nicht bekannt.
Das beigebundene Gesangbuch hingegen wurde nicht bei Emanuel Thurneisen gedruckt, sondern 1826 in der Cotta´schen Verlagsbuchhandlung. Diese wurde 1659 in Tübingen gegründet und war bis 1889 in Familienbesitz. Der Verlag fusionierte 1977 mit dem Ernst Klett Verlag und ist bis heute unter dem Namen Klett-Cotta bekannt. Das Gesangbuch ist nach Sachthemen geordnet (z. B. „Von Gott“, „Von der Schöpfung“) und enthält lediglich Texte, keine Noten. Es konnte gebunden wie ungebunden erworben werden. Für die ungebundene Fassung ohne Anhang fielen 24 Kreuzer an.
Während der Ledereinband Einheitlichkeit suggeriert, offenbart ein Blick ins Buch, dass Papier und Druck der beiden Buchbestandteile sehr unterschiedlich sind. So wurde die Bibel auf feinem, hellen Papier gedruckt. Das Papier des Gesangbuchs ist hingegen deutlich gröber und einzelne Buchstaben weisen immer wieder Fehlstellen aufgrund von zu wenig Tinte auf. Andere Buchstaben wiederum verschwimmen, weil zu viel Tinte verwendet wurde.
Eva Christiana gebar in den folgenden beiden Jahrzehnten nach der Hochzeit sieben Kinder: Eva Catharina, Sibille Margarethe, Anna Katharina, Johannes, Christian Friedrich, Georg Caspar und Caroline Louise. Am 6. August 1854 starb sie - die Jüngste war zu diesem Zeitpunkt gerade vier Jahre alt. Eva Christiana hinterließ kein Testament. Gesetzliche Erben waren der 51jährige Witwer und die Kinder. Pfleger der ledigen Kinder war Christian Gottlieb Fuchslocher, Weingärtner in Serach. Auf eine Eventualteilung - das heißt eine anteilige Berechnung des Erbes, der aber keine Realteilung, sprich: Auszahlung, folgte - wurde vorerst verzichtet. Das Vermögen belief sich auf 8.000 Gulden, gleichwohl bestanden Schulden in Höhe von 700 Gulden.
Im Jahr 1877 erfolgte eine teilweise Vermögensübergabe durch Johann Georg Caspar Wager an seine Kinder. Dabei blieb seine älteste Tochter Eva Catharina, Ehefrau des Johann Friedrich Kenner, außen vor, weshalb Kenner am 6. August 1877 die Eventualteilung des Vermögens seiner Schwiegermutter beantragte. Wager stimmte dem zu. Er war zu diesem Zeitpunkt 74 Jahre alt. Die Eventualteilung wurde letztendlich doch nicht durchgeführt.
Johann Georg Caspar Wager verstarb 1880. Der Nachlass wurde unter den Kindern aufgeteilt; die Aufteilung erfolgte durch Verlosung.