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Fax (07 11) 35 12-55 26 13

Objekt des Monats

März 2020

Fotoalbum des Esslinger Turn- und Sportvereins von 1845
Pappe, Fotografien
1935

 
(Pivatbesitz)

Das Bild zeigt den Einband des Fotoalbums des Esslinger Turn- und Sportvereins von 1935. Aufnahme: Michael Saile

„Zum 90jährigen Bestehen des Esslinger Turn- und Sportvereins v. 1845 zur Pflege der Tradition und der Geschichte des Vereins gewidmet von W. Mayer Juni 1935.“ So lautet die handschriftliche Widmung für dieses opulente und repräsentative großformatige Album. 46 cm hoch und 38 cm breit, mit 20 dicken und mit Goldschnitt versehenen Papp-Blättern und 353 eingeklebten Fotografien und Drucken. Schon auf dem Einband sieht man, wo der „Esslinger Turn- und Sportverein von 1845“ im Jahr 1935 steht: Zwischen den Idealen des mit demokratischen Ansprüchen entstandenen Deutschen Turnens und der Deutschen Turnerschaft (DT). Sie hat sich im April 1933 als einer der ersten Verbände nationalsozialistisch neu aufgestellt und wollte bis zum 15. Deutschen Turnfest im Juli 1933 „judenfrei“ sein. 1936 löst sie sich selbst auf.

Vor bald 175 Jahren am 30. September 1845 als „Männerturnverein in Eßlingen“ gegründet, ist die Sportvereinigung 1845 Esslingen einer der ältesten Turnvereine in Württemberg. Der damals 19jährige Jurastudent Theodor Georgii hat die moderne und demokratische Idee von der Universität Tübingen mitgebracht. Seine Mitstreiter sind Männer des Bürgerturms, allen voran der Demokrat und Komponist Karl Pfaff und der Fabrikant Carl Deffner. Anfangs finden die Turnübungen auf dem Vorhof des Lehrerseminars, dem heutigen Blarerplatz, statt. Ab 1847 wird auf der Maille geturnt und im Winter im Alten Rathauses.

Beim 1. Schwäbischen Turntag wird am 1. Mai 1848 in Esslingen der Schwäbische Turnerbund gegründet, zu dessen erstem Vorsitzenden man Theodor Georgii wählt.  Damals gehören auch militärische Übungen zum turnerischen Alltag. Die Turner schließen sich 1864 sogar mit dem hiesigen Wehrverein zusammen, da beide ihren Beitrag zu einem einigen Deutschland leisten wollen, die einen mit eher nationalen, die anderen mit eher demokratischen Intentionen.

Im Juli 1895 wird der XI. Deutsche Turntag in Esslingen abgehalten. Bei dieser Gelegenheit feiert man das 50jährige Bestehen und weiht das Denkmal für den 1892 verstorbenen Theodor Georgii auf der Maille ein. 1898 gründet sich eine Damen-Abteilung. Und 1902 errichtet der Vereine eine eigene Turnhalle in der Blumenstraße 42.
1920 schließt man sich mit einem Fußballverein zum „Eßlinger Turn- und Sportverein von 1845“ zusammen. Das ist gewagt, denn Turnen ist damals national und deutsch, der Fußballsport aber britisch und international. Prompt werden die Esslinger Turner von der Deutschen Turnerschaft gezwungen, sich 1924 wieder von ihrer Fußballabteilung zu trennen. Die Trennung dauert 40 Jahre: 1965 sind solche weltanschaulichen Probleme überwunden und man fusioniert erneut zu den „Turn- und Sportfreunden Esslingen von 1845“.

1935 hat man in Esslingen noch groß das 90jährige Jubiläum des ETSV gefeiert, zu dem auch dieses Album angelegt wird. Insgesamt sind für die Turner die Zeiten aber eher schwierig. Die für die Jugendlichen obligatorische Hitlerjugend fordert deren ganze Freizeit, und auch die Erwachsenen sind intensiv in NS-Parteiaktivitäten eingebunden. Zusätzlich verweigert die Stadtgemeinde im Mai 1939 die Verlängerung der Pacht für die Sirnauer Wiesen und das dort erstellte Jahn-Haus, womit der Verein buchstäblich im Regen steht. Im zweiten Weltkrieg wird 1944 auch noch die vereinseigene Turnhalle beschlagnahmt.
Im April 1945 löst die alliierte Militärregierung nach der Besetzung der Stadt alle Vereine auf, auch den ETSV.  Erst mit einem Jahr Verspätung kann man am 7. September 1946 die 100-Jahrfeier feiern. Bilder davon werden als letzte in das Album eingeklebt.

Die Vereinsturnhalle nutzen amerikanische Besatzungssoldaten und ehemalige Zwangsarbeiter. Erst ab Oktober 1947 steht sie dem ETSV wieder ganz zur Verfügung. 1949 wird die neue Sportanlage mit Unterkunfts- und Bootshaus auf den Sirnauer Wiesen eingeweiht. Diese fällt bereits 1963 dem Ausbau des Neckars zur Schifffahrtsstraße zum Opfer. 1968 findet sich mit dem neu errichteten Eberhard-Bauer-Stadion eine glückliche Lösung, dem vier Jahre später 1972 die Großsporthalle folgt.