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Objekt des Monats

September 2020

Figur einer Weingärtnerin
Metallwarenfabrik C. Deffner
Weißblech, lackiert
H 41cm; B 20cm; T 15cm; D 12,5cm
19. Jahrhundert

(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 006818)

Das Bild zeigt Titelseite des beweglichen Bilderbuches "Lebendes Affentheater" von Lothar Meggendorfer

Die stark idealisierte Figur einer Weingärtnerin mit aufgesetzter Bütte stammt aus Familienbesitz. Hergestellt wurde sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts von der Metallwarenfabrik C. Deffner in Esslingen aus dünnem Weißblech, das zugeschnitten, geformt, gelötet und zum Schluss farbig lackiert wurde. Auf einer runden, abgetreppten und grün lackierten Standfläche ist die Figur befestigt. In leichter Schrittstellung, den rechten Arm neben dem Körper schwingend, erhält sie eine dynamische Gestalt. Der linke Arm ist nach hinten abgewinkelt und stützt die auf dem Rücken getragene Bütte. Der Kopf der Weingärtnerin wird von einem breitkrempigen Hut vor Wind und Wetter geschützt. Die Weingärtnerin ist zwar in einem ländlich anmutenden Stil gekleidet, doch dürfte sich keine Frau zur schweren Arbeit im Weinberg so herausgeputzt haben. Der weiße, grün gesäumte Rock wird teilweise von den strahlenförmigen und reich verzierten Ausläufern des Oberkleides überdeckt. Dieses hat aufwändig gestaltete Ärmel und über den Schultern trägt die Figur eine Art Stola. Auch die Form der Bütte ist eher dem Bereich der Phantasie entsprungen und hat kaum Ähnlichkeit mit den tatsächlich verwendeten Exemplaren. Benannt war die Firma nach Carl Christian Ulrich Deffner (1789-1846), der 1815 Teilhaber von Heinrich Rudy wurde, der seit 1809 lackierte Blechwaren herstellte. Deffner übernahm die Firma 1819. Von einer Englandreise hatte er die damals modernsten Herstellungsmethoden im Metallbereich mit nach Deutschland gebracht, was ihn zum Wegbereiter der Metallbearbeitung in Esslingen machte. 1825 verlegte die Firma ihren Standort in die Pulverwiesen (heute Landratsamt), wo die für den Betrieb des modernen Maschinenparks notwendige Wasserkraft vorhanden war. Carl Deffner setzte sich als liberaler Landtagsabgeordneter und Sprecher der Esslinger Fabrikanten für die Förderung der Industrie ein. Aber auch für seine Beschäftigten sorgte er vor, indem er bereits 1829 eine Krankenkasse gründete. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Carl Ludwig Deffner (1817-1877), der 1844 in die Firma eingetreten war, die Leitung des Betriebes. Neben den deutschen Ländern waren vor allem die Schweiz und Nordamerika das Hauptabsatzgebiet der hergestellten Produkte. Die große Blütezeit der Firma endete allerdings schon um 1900, nicht zuletzt weil die örtliche Konkurrenz stark an Bedeutung gewonnen hatte und verstärkt auf neue Techniken setzte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Firma etwa 500 Mitarbeiter/innen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden immer noch viele Arbeitsschritte von Hand durchgeführt und die Firma war seit Ende der 1960er Jahre nicht mehr konkurrenzfähig sowie der Maschinenpark veraltet und die Gebäude renoveriungsbedürftig.Auch hatte sich der Geschmack der Käufer gewandelt. Daher wurde 1969 die Produktion eingestellt, bis 1972 blieb die Firma in Familienbesitz. Anfangs stellte die Metallwarenfabrik C. Deffner lackierte Blechwaren, wie Tabletts oder Vogelkäfige her. Diese waren zum Teil bedruckt, wurden aber vor allem mit Aufklebern verziert. Zu den bekanntesten Mitarbeitern gehörte der für seine detailreichen Abbildungen längst vergangener Bauwerke bekannte Esslinger Maler Johannes Braungart (1803-1849), der für die Firma zahlreiche Vorlagen erstellte. Dank der hohen Qualität ihrer Produkte erhielt die Firma bis 1900 Preise auf zahlreichen Industrieausstellungen im In- und Ausland und internationale Aufmerksamkeit. Bei der Weltausstellung 1855 in Paris war Carl Ludwig Deffner Mitglied des Preisgerichts. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts machte sich aber auch hier die innerstädtische Konkurrenz bemerkbar, so dass C. Deffner nicht mehr an internationalen Ausstellungen teilnahm. Im Lauf der Zeit kamen neben lackierten Blechwaren versilberte Metallwaren ins Sortiment. Berühmt war C. Deffner zudem für seine in Niello-Technik ausgeführten Produkte. Reine Jugendstilformen sind – im Gegensatz zu den anderen Esslinger Herstellern – allerdings wenig vertreten. Dafür finden sich zahlreiche Produkte im Stil der englischen Arts and Crafts-Bewegung.