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Objekt des Monats

November 2019

Tischfernrohr, Mikroskop
Carl Oechsle, Esslingen
Messing, Glas, Holz
Anfang bis Mitte 19. Jahrhundert
 (Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 006025; STME 006841)


Das Tischfernrohr entstand um 1820. Sein Messingtubus befindet sich am oberen Ende eines dreibeinigen Stativs, das sich in alle Richtungen drehen und neigen lässt. Auf ihm findet sich die Signatur „Oechsle Esslingen". Mit Hilfe einer Rändelschraube am Teleskopauszug lassen sich Gegenstände fokussieren. Im Auszug ist das Fernrohrokular mit den drei Linsen eingeschoben. Es ist zusammenlegbar und kann in einer passenden Holzkiste aufbewahrt werden.

Beim Mikroskop handelt es sich um das einzige uns bekannte, gut erhaltene Exemplar aus der Werkstatt von Carl Oechsle. Es besteht ebenfalls aus Messing. Auf seinen aufklappbaren, dreiteiligen Fuß ist eine runde Säule geschraubt, die den kreuzförmigen Tisch des Mikroskops trägt. An ihr befinden sich eine Bohrung zur Aufnahme des drehbaren Beleuchtungsspiegels und der dreieckige Tubusträger mit der Rack- und Pinion Verstelleinrichtung. Der Tubus des Mikroskops ist mit der Zahnstange verschraubt; mit einer Rändelschraube wird das Objekt fokussiert.

Der Hersteller der beiden optischen Preziosen ist der 1782 in Esslingen geborene Carl Oechsle. Über seine Lehr- und Gesellenjahre ist nahezu nichts bekannt, eventuell ging er bei dem Stuttgarter Hofmechaniker Jakob Heinrich Tiedemann in die Lehre. 1809 eröffnete Oechsle eine Werkstatt in Esslingen. Das Vermögen seiner Ehefrau Katharina Barbara Schweizer investierte Oechsle, der selbst über kein über Eigenkapital verfügte, in seine Werkstatt. Das Paar hatte 1810 geheiratet, noch im gleichen Jahr erhielt er das Bürgerrecht der Stadt. Dass das Vermögen der Braut für den wirtschaftlichen Erfolg des Mannes entscheidend war, ist ein immer wieder zu beobachtender Umstand in der Industriegeschichte Esslingens.

Oechsle erhielt 1812 den Titel Hofopticus und Mechanicus, nachdem der württembergische König Friedrich ein Fernrohr aus seiner Werkstatt erstanden hatte. Das Leistungsportfolio seiner Werkstatt umfasste optische und physikalische Instrumente, wie Fernrohre und Mikroskope. Optisches Glas, das Oechsle aus dem Ausland importierte, war nur schwer zu beziehen und sehr teuer. Deshalb musste er zum Ankauf der Gläser mehrere Darlehen aufnehmen. Einer seiner Geldgeber war der Stuttgarter Verleger und Unternehmer Johann Friedrich Cotta, mit dem Oechsle intensiv in Briefkontakt stand.

Auf der Kunst- und Gewerbeausstellung in Stuttgart 1823 erhielt Carl Oechsle für eines seiner Fernrohre den königlichen Preis. Als Zeichen der Anerkennung und als Ausdruck der „Freude, einen solchen Künstler unter der Bürgerschaft Esslingens zu besitzen" zeichnete ihn der Esslinger Stadtrat mit einer Prämie von 50 Gulden aus.Später nahmen Oechsle und sein Sohn Gottlob, der in der Werkstatt mitarbeitete, regelmäßig an Ausstellungen teil. 1830 erweiterten sie das Sortiment um silberne und goldene Uhren mit einem neuen Aufziehmechanismus. Dieser Geschäftszweig wurde jedoch nicht nennenswert weiterentwickelt. Oechsles Frau starb 1831 nach langer Krankheit. Durch die hohen Arztkosten war Oechsle hoch verschuldet. Einen Teil seiner Schulden übernahm das Waisengericht, einerseits aus Fürsorge für die Kinder, andererseits um die Arbeit des Künstlers weiter zu unterstützen. 1833 heiratete Carl Oechsle die Bäckerstochter Rosina Louisa Kirn. Sie brachte ebenfalls ein größeres Vermögen in die Ehe ein, das Oechsle erneut in seine Werkstatt investieren konnte.

Auch danach nahm er an einer Industrieausstellung teil, ebenso an Ausstellungen des Gewerbevereins Esslingen. Carl Oechsle arbeitete wohl bis zuletzt in seiner Werkstatt. Er starb im Oktober 1855. Aus dem nach seinem Tod erstellten Vermögensverzeichnis geht hervor, dass er über ein Gesamtvermögen von 3798 Gulden und 37 Kreuzer verfügte. Es bestand aber vor allem aus Werkzeugen, Rohmaterial sowie fertigen und halbfertigen Instrumenten. Sein Sohn Gottlob, der selbst hoch verschuldet war, schlug das Erbe aus, es fand sich auch sonst keiner, der die Werkstatt übernehmen wollte. Daher verkaufte die Erbengemeinschaft sämtliche Instrumente, Werkzeuge und Materialien.