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Objekt des Monats

März 2019


Hafnerfirma Christian Geiger
Teetasse mit Untertasse
Porzellanmanufactur Bauer & Pfeiffer, Schorndorf
1920-1934
(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 005862)

Fotografie: Michael Saile

Die Gestaltung der Tasse ist schlicht, aber dennoch fällt ihr farbiges Blumenmuster auf. Die Formensprache der Blumen nähert sich dem Stil des Art déco (1920er-1930er Jahre), ohne dabei zu modern zu wirken. Dabei ist ein prächtiges Farbarrangement der Porzellanmalerei zwischen Gelb, Orange und Blau entstanden. Goldränder am Ohrenhenkel, am oberen Tassenrand und am äußeren Untertassenrand veredeln den stimmigen Gesamtauftritt des Keramikproduktes. Die Farbe Gold findet sich ebenfalls auf der Unterseite der Tasse wieder. Dort stehen in goldenen Lettern die Signatur des Herstellers und des Verkäufers. Es ist ein Logo von zwei ineinander geschlungenen und bekrönten Buchstaben („bekrönte Ligatur“), die unter sich ein und-Zeichen beherbergen: B&P. Darunter wird die Herkunft klar deklariert: WÜRTTEMBERG. Zusätzlich ziert darüber der Namensschriftzug eines Esslinger Händlers namens Christian Geiger die Unterseite der Keramiktasse. B&P – das steht für die Porzellanmanufactur Bauer und Pfeiffer in Schorndorf, die von 1904 bis 1934 bestand. Im Verlauf nannte sich das Unternehmen in „Württembergische Porzellan-Manufactur“ um und wurde zu einer Aktiengesellschaft. Da in der Zeit des Ersten Weltkrieges die Porzellanproduktion zum Erliegen kam und sich das Tassendesign am Art déco orientiert, stammt es vermutlich aus den 1920er bis frühen 1930er Jahren. Die Teetasse wurde anscheinend nur selten benutzt. Teetrinken, im Gegensatz zum Kaffee, war in Süddeutschland zur damaligen Zeit eher unüblich.
 
Der Händler des Porzellanproduktes Christian Geiger war zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Küferstraße 28 in Esslingen sesshaft. Als Hafnermeister bot er Glas, Porzellan, Steingutwaren, Öfen und Herde an. Darüber hinaus führte er ab 1933 ein Haushaltsgeschäft, das seinen Sitz in der Küferstraße 13 hatte. Es scheint so, als hätte Geiger bei der Schorndorfer Manufaktur das Porzellan in Auftrag geben lassen und die Manufaktur hat im Gegenzug die Häfnerei oberhalb ihres Logos hinzugefügt. Das ist sehr wahrscheinlich, da die Signatur des Herstellers und des Händlers aus einem Guss zu stammen scheinen. Heute mutet der Beruf des Hafners gerade für die junge Generation fremd und exotisch an. Die Arbeit lässt sich grob in die Bereiche des Ofen- und Kaminbauens und der Töpferei einordnen. In Geigers Familie hatte die Beschäftigung als Hafner nachweislich eine Tradition. Es war bereits die dritte Generation seiner Familie, die als Hafner ihr Geld verdiente. Seinen eigenen Laden gründete er um das Jahr 1894. Auch sein Sohn Otto Geiger sollte ab 1934 die Familientradition fortführen. Da dieser allerdings keine Nachkommen hatte, führte er den Betrieb bis zu seinem Ableben 1953. Nach seinem Tod wurde das Familienunternehmen von seiner Gattin unter dem Namen „Hedwig Geiger, Ofen- und Herdgeschäft“ (Neulieferungen, Reinigungen, Reparaturen sowie Ersatzteile) bis 1960 weitergeführt. Da kein geeigneter Nachfolger gefunden werden konnte, kam es daraufhin zur endgültigen Schließung des Ladens.
 
Porzellangeschirr kann heute in Deutschland auf eine verhältnismäßig kurze Tradition zurückblicken. Die Feinkeramik stammt aus China, wo sich Porzellan im heutigen Sinne schon seit 600 n. Chr. belegen lässt. Etwa zeitgleich lassen sich dort die ersten Tassen nachweisen. Es sollte bis in das 17. Jahrhundert andauern bis die ersten Keramiktassen in Folge der ersten Teelieferungen durch portugiesische Händler nach Europa importiert wurden. Das Wort „Tasse“ hat sich über das Französische als arabisches Lehnwort auch im Deutschen eingebürgert (tas, tas(s)a = Schälchen, Napf). Erst Anfang des 18. Jahrhunderts etablierte sich im deutschen Raum ein selbst vor Ort hergestelltes Porzellan, das zu Beginn vor allem in Dresden und Meißen hergestellt wurde. Im 20. Jahrhundert gelang dem Porzellan – je nach Sichtweise – der Aufstieg oder Niedergang zur Massenware. Somit ist Porzellan heutzutage nicht mehr allein den wohlbetuchten Leuten vorbehalten, sondern ist für die breite Masse erschwinglich geworden.