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Objekt des Monats

Januar 2019


Geschenkset „Variomaster“-Kerzenständer
3 Kerzenständer mit Originalverpackung
Metallwarenfabrik F. W. Quist
um 1970
(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 005551)


Gerätschaften für den festlich gedeckten Tisch waren in der über 100jährigen Zeit ihres Bestehens DAS Produkt der Metallwarenfabrik F. W. Quist. Gegründet wurde sie als „Lackier- und Metallwaarenfabrik“ 1866 durch Jakob Schweizer (jun.). Als die Firma 1886 in „Actien-Plaqué-Fabrik“ umbenannt wurde, war einer der Firmeninhaber schon der in Holstein geborene Friedrich Wilhelm Quist (1831-1903), der ab 1896 Alleininhaber war. Von nun an blieb die Metallwarenfabrik F.W. Quist bis zu ihrem Konkurs 1981 in Familienbesitz.

Die Jahre seit 1966 sind durch den Versuch gekennzeichnet, mit Hilfe neuer Produktlinien und risikofreudigen unternehmerischen Entscheidungen die Zukunft der Firma zu sichern. Dabei sorgte 1971 die Ankündigung der Firma Quist, dass sie mehr als 25 Prozent der Anteile an der Geislinger Konkurrenzfirma WMF erworben hatte, für große Überraschung. Mit diesem Schritt wollte die Esslinger Firma eine Kooperation erzwingen, beispielsweise um ihre Waren in den Markenläden der WMF verkaufen und gemeinsam Material einkaufen zu können. Diese Strategie ging allerdings nicht auf, da sich die Rahmenbedingungen für die Einflussnahme im Nachhinein als deutlich anders herausstellten, als man beim Erwerb der Aktien angenommen hatte. Auch eine geplante Verlegung der Produktion nach Fernost konnte nicht realisiert werden.

Gleichzeitig hatte sich der Markt für die bisherigen Produkte aus versilbertem Metall einschneidend verändert. Die seit Jahrzehnten eingeführten Firmenerzeugnisse fanden seit Ende der 1960er Jahre immer weniger Absatz, da sie den geänderten Geschmacksvorstellungen der Käufer nicht mehr entsprachen. Hinzu kam die Konkurrenz durch billige Importe aus Fernost. Dieser allgemein in der Branche spürbaren Entwicklung entging beispielsweise die italienische Firma „Alessi“, indem sie konsequent auf gutes Design setzte und sich dank dieser Strategie zu einer Weltmarke entwickelte.

So zeigt die Produktpalette der Firma Quist in dieser Zeit einen starken Wandel. Die angebotenen Artikel wurden immer vielfältiger, aber auch beliebiger. So gibt es neben eher rustikal anmutenden Erzeugnissen aus Zinn und firmeneigenen Metalllegierungen wie „Quistal“, durchaus auch Designentwürfe auf hohem gestalterischem Niveau, wie beispielsweise der Kugelaschenbecher „Smokny“ oder die kugelförmigen Salz- und Pfefferstreuer. Daneben finden sich zahlreiche reine Geschenkartikel im Sortiment. Verstärkt griff man jetzt auch die seit den 1950er Jahren sich immer weiter verbreitende „Partykultur“ auf und produzierte unter dem Namen „Quist-Party-Geräet“ Produkte vom Cocktail-Shaker über den Erndnussspender bis zum „Party-Apfel“.

Zu diesen Lifestyle-Produkten gehört auch der als „Variomaster – das moderne Leuchter-Stecksystem“ bezeichnete Kerzenständer. Diesen gab es „vernickelt“, „verkupfert“ und „versilbert“. Im zeitgemäßen Design konnte der stolze Besitzer mit Hilfe eines einfachen Stecksystems je nach Anzahl der zur Verfügung stehenden Kerzenständer unterschiedlichste Leuchter-Kreationen zusammenfügen. Ähnlich wie bei einem Modelleisenbahn-Starterset ermöglicht die gezeigte aufwendige Geschenkpackung mit drei Kerzenständern erste einfache Leuchter-Kombinationen. Vermutlich spekulierten die Hersteller bei diesem Produkt auch darauf, dass der Sammeltrieb der Kunden geweckt wurde und sie noch viel mehr dieser Kerzenständer besitzen wollten. Dies suggeriert schon allein das auf der Verpackung abgebildete Foto, das eine glückliche Besitzerin hinter einer Leuchter-Installation mit deutlich mehr als nur drei Steckleuchtern zeigt. Damit der Spaß auch sofort beginnen konnte, lagen der Packung noch passende Kerzen aus zeittypischem orangenem Wachs bei.

Wie viele andere Gegenstände der späten Quist-Produktion fand die Geschenkpackung ihren Weg über das Internet ins Stadtmuseum. Auffällig ist dabei, dass viele dieser für wenig Geld erworbenen Produkte der 1970er Jahre durchaus auch Hinweise auf ihre Akzeptanz beim Kunden geben können. So zeigte sich bei vielen dieser Neuanschaffungen, die sich sicher niemals hätten träumen lassen einmal in einer Museumssammlung zu sein, dass sie noch in der originalen Verpackung und häufig sogar in Kunststoff eingeschweißt verkauft wurden. Auch zeigen sie oft keinerlei Gebrauchsspuren und auch im Fall des Geschenksets sind weder Wachsreste auf den Kerzenständern vorhanden noch fehlt eine der neun mitgelieferten Kerzen. Dies zeigt deutlich, dass der Vorbesitzer, der dieses Set vermutlich – vielleicht sogar zu Weihnachten – geschenkt bekommen hatte, nur wenig Begeisterung aufbringen konnte und keine Verwendung dafür hatte. Doch das Geschenk umzutauschen – wie jetzt nach den Festtagen häufig geschehen wird – war anscheinend auch keine Alternative. Erst die Möglichkeit, es im Internet zu versilbern, brachte diesen Gegenständen wohl erstmals einen praktischen Nutzen für ihre Besitzer.

Nach dem Konkurs der Metallwarenfabrik F. W. Quist 1981 erwarb die Bayerische Metallwarenfabrik in Nürnberg die Marke „Quist“ und damit auch die Berechtigung, bisher von der Esslinger Firma hergestellte Produkte zu fertigen. Zu diesen gehören in leichten Abwandlungen auch Steckkerzenleuchter.