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Objekt des Monats


An jedem ersten Dienstag im Monat um 18 Uhr präsentieren wir im Stadtmuseum im Gelben Haus das Objekt des Monats im Rahmen eines Kurzvortrages.

 

August 2017

52x Esslingen und der Erste Weltkrieg

Die Verwaltung der Stadt im Krieg: Gemeinderatsprotokoll
1917
2 Bände, Folio (ca. 34,5 x 21,5 cm), dunkelblauer Halbledereinband
(Stadtarchiv Esslingen, Gemeinderatsprotokoll 1917, 2 Teilbände)


Die seit den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts fast lückenlos erhaltene Serie der städtischen Rats- bzw. Gemeinderatsprotokolle gehört zu den bedeutendsten Beständen des Stadtarchivs Esslingen: Die in den einzelnen Bänden rechtsverbindlich festgehaltenen Entscheidungen des zentralen kommunalen Gremiums spiegeln gerade in Krisenzeiten wie kaum eine andere Quelle die wesentlichen Materien wider, die von den politisch und administrativ Verantwortlichen zu lösen waren - und verweisen somit zumindest indirekt auf den Zustand der Stadtgesellschaft.
 
Der Gemeinderat blieb auch im Ersten Weltkrieg die zentrale kommunale Entscheidungsinstanz der Stadt Esslingen am Neckar. Das aus zwei Teilbänden bestehende, zumeist handschriftliche Protokoll der Sitzungen des auch im Jahr 1917 alle zwei Wochen tagenden Gemeinderats umfasst 1434 Seiten. Insgesamt wurden 687 Tagesordnungspunkte abgehandelt und in der Regel handschriftlich protokolliert.
 
So bedeutsam die Entscheidungen des Gemeinderates blieben, die Epoche des Ersten Weltkriegs war auch in Esslingen durch eine extreme Verdichtung der politischen Entscheidungen und des Verwaltungshandelns gekennzeichnet, wobei es offen bleiben muss, wie groß die Handlungsspielräume auf der lokalen Ebene wirklich waren. Seit der Mobilmachung am 2. August 1914 sah sich die Stadtspitze ständig zu Anpassungen an wechselnde Realitäten unter sich immer mehr erschwerenden Bedingungen gezwungen. Dies führte unmittelbar nach Kriegsbeginn zunächst zur Einsetzung einer 14köpfigen Kriegskommission, die sich aus Angehörigen des Gemeinderats, des Bürgerausschusses und der höheren Beamtenschaft rekrutierte und die in vier Unterausschüssen die dringendsten Fragen, vor allem die Unterstützung der Familien der ausrückenden Soldaten, zu regeln versuchte.
 
Nachdem die ersten Wochen nach der Mobilmachung vergleichsweise gut gesteuert werden konnten, brachte der weitere Verlauf des Krieges eine permanente Verschlechterung der Versorgungslage, die zur Zwangsbewirtschaftung einer Vielzahl von Gütern, Brennstoffen und vor allem Lebensmitteln führte. Die materielle Not und Bedürftigkeit von weiten Teilen der Bevölkerung, nicht nur im „Kohlrübenwinter“ 1916/17, nahm zu. Auch die überbordende und letztlich gescheiterte zentralisierte Kriegswirtschaft der Reichsregierung, das Wirrwarr der Kompetenzen auf unterschiedlichen staatlichen Ebenen, und die Ausdünnung der Verwaltung aufgrund von Einberufungen zwangen dazu, die kommunalen Entscheidungs- und Verwaltungsstrukturen immer wieder nachzubessern. So bekamen bereits bestehende Ämter immer wieder neue und immer mehr Aufgaben, andere städtische Einrichtungen (vom „Lebensmittelamt“ bis zu den sog. „Kriegsküchen“) wurden neu geschaffen. Außerdem wurde ein beinahe unübersehbares Geflecht aus Ausschüssen und Kommissionen aufgebaut, die mit Mitgliedern der „Bürgerlichen Kollegien“, Angehörigen der Verwaltung und Vertretern und Vertreterinnen der Stadtgesellschaft, die ihrerseits vielfältige karitative und soziale Aktivitäten entfaltete, besetzt waren. Ein im Dezember 1916 gebildeter „Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen“ macht zumindest deutlich, dass man sich bemühte, die Bevölkerung so weit wie möglich einzubinden und die knappen Ressourcen so gerecht wie möglich zur Verteilung kommen zu lassen.
 
Es hat den Anschein, dass es in der Endphase des Krieges in Esslingen zumindest in Ansätzen gelungen ist, die völlige Desintegration und Zersplitterung der vom Krieg erschöpften Stadtgesellschaft, wie sie Roger Chickering eindrucksvoll für Freiburg hat nachweisen können, zu verhindern. Dies war, neben eher günstigen Rahmenbedingungen, sicherlich auch dem übergroßen Einsatz der allermeisten zu verdanken, die parteien- und weltanschauungsübergreifend in den städtischen Gremien und der Verwaltung jahrelang bis zur Erschöpfung gearbeitet haben.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt

"52x Esslingen und der Erste Weltkrieg".